Erzgebirgisch-nordirische Freundschaft
Fast 65 Jahre dauerte es, bis der FC Erzgebirge Aue im vergangenen Sommer den Weg zum nordirischen Glenavon FC fand. Mit über 1.200 Schlachtenbummlern im Gepäck waren die Veilchen während ihrer Saisonvorbereitung nach Lurgan aufgebrochen. Im Mourneview Park trugen die Erben der Meister das fast vergessene, ausgefallene Europapokalspiel von 1960 aus. Sportlich entschieden die Lila-Weißen das Aufeinandertreffen dank eines Doppelpacks von Erik Weinhauer für sich. Viel wichtiger als das Ergebnis, die Taktik und der sportliche Wettbewerb waren an diesem Tag im Juli aber der Austausch und das Miteinander beider Fanlager. Die Lurgan Blues und ihre Anhänger zogen alle Register der nordirischen Gastfreundschaft und das Fußballfest ging bis in die späten Abendstunden.
Mitten in dieser Geschichte: die "Wismut'sche Reisegruppe". Der Fanclub der trinkfesten Allesfahrer hatte die Kontakte auf die Insel schon beim Hinspiel im Lößnitztal geknüpft und nach dem ereignisreichen Trip im vergangenen Sommer wurde gleich die nächste Reise gebucht. Während im Erzgebirge nach der Mettenschicht die Winterpause folgt, wird in Großbritannien zwischen den Jahren traditionell weitergekickt. So verbrachten insgesamt sieben Schachter Silvester in Nordirland und unterstützten die neuen Freunde der Fanclubs "Crescent End Collective" und "Spirit of 2014" beim Heimspiel des Glenavon FC gegen die Dungannon Swifts.
Natürlich weckten auch das Lößnitztal und das eins-Erzgebirgsstadion die Sehnsucht bei den Nordiren und zum Heimspiel gegen Alemannia Aachen besuchten zwei Jahre nach dem ersten Aufeinandertreffen die ersten Fans der Lurgan Blues wieder die Veilchen und die Wismut'sche Reisegruppe im Schacht. "We were made to feel extremely welcome and enjoyed meeting everyone at the stadium. The atmosphere at the match was fantastic and we will definitely be back!", resümierten die neuen Freunde aus Nordirland, die auch mit Wismut-Größen wie Harald Mothes in Kontakt kamen. So schreibt der Fußball auch in schwierigen Zeiten schöne Geschichten. Nachdem der Verlauf der Geschichte den Glenavon FC und Erzgebirge Aue lange trennte, wächst jetzt eine neue Freundschaft heran.
Gerade die Lurgan Blues können den Veilchen im Abstiegskampf noch Hoffnung geben. Nach einem bitteren Fehlstart in die Saison mit elf Niederlagen in Serie sah es lange danach aus, als würde der Glenavon FC abgeschlagen dem Abstieg aus der höchsten nordirischen Spielklasse entgegen gehen. Trainer Michael O'Connor übernahm als Feuerwehrmann im Oktober und gab seine Mannschaft bis zuletzt nicht auf. Nach drei Siegen aus den letzten drei Spielen träumt man in Lurgan wieder vom Ligaverbleib. Mit einem souveränen 3:0 in Belfast beim Crusaders FC gaben die Blues die Rote Laterne am vergangenen Wochenende ab. In der finalen Abstiegsrunde können die Männer aus Lurgan den Klassenerhalt nun aus eigener Kraft schaffen.
Glück Auf!



