Der Weg zum Sachsenpokalsieg
Da ist das Ding – am vergangenen Samstag feierte der FC Erzgebirge Aue ausgerechnet beim Erzrivalen vom FSV Zwickau den fünften Landespokalsieg der Vereinsgeschichte. Nach einer schwachen Saison in der Liga erreichten die Veilchen zumindest im Pokalwettbewerb die gesteckten Ziele. Im Endspurt der Saison konnte die Mannschaft unter Khvicha Shubitidze ihr Potenzial abrufen und entschied nicht nur zwei prestigeträchtige Derbys für sich, sondern holte am Ende auch den Pokal in den Schacht. Das war der Weg der Veilchen zum Pokalerfolg.
Der lange Anlauf zum 5. Landespokalsieg
Auch als favorisierter Drittligist gewinnt man den Sachsenpokal nicht im Vorbeigehen. Das mussten die Veilchen drei Jahre lang in Folge schmerzlich lernen. 2023 kassierten die Erzgebirger eine schallende Klatsche in Chemnitz und schieden noch vor dem Endspiel aus dem Wettbewerb aus. In den beiden letzten Spielzeiten zogen die Lila-Weißen zwar jeweils ins Finale ein, gingen aber in beiden Spielen als Verlierer vom Platz. Erst scheiterte man in Dresden in der Nachspielzeit und vergangene Spielzeit scheiterte die Elf aus dem Lößnitztal im Elfmeterschießen und unterlag Lok Leipzig. Nach dem Aufstieg von Dynamo waren die Veilchen in dieser Saison klarer Favorit und trotz schwacher Leistungen in der Liga wurde die Mannschaft dieser Rolle im Pokal gerecht.
In dieser Saison mussten die Erzgebirger bereits in der 2. Runde in den Wettbewerb starten und als erster Gegner wurde dem FCE die SG Taucha zugelost. Es war das zweite Gastspiel der Veilchen bei den Rand-Leipzigern, bereits beim letzten Pokalsieg in der Saison 2015/16 empfing Taucha den Kumpelverein. Gegen den Sachsenligisten gaben sich die Veilchen keine Blöße und siegten dank fünf verschiedener Torschützen unter Jens Härtel mit 5:0. Einen Monat später ging es schon wieder ins Leipziger Umland. Diesmal wartete die SV Panitzsch/Borsdorf auf die Lila-Weißen. Für die Fußballamateure war der Besuch der Profis zweifelsohne das Spiel des Jahres. Mit viel Mühe und jeder Menge ehrenamtlicher Unterstützung sorgten die Amateurvereine für einen würdigen Rahmen. Sportplatz-Flair, Bratwurst-Stände und Aschebahnen - auch all das gehört zum Landespokal. Neben dem Rasen waren die Veilchen-Fans gute Gäste, zu Verschenken hatte die Mannschaft aber nichts. Mit 7:1 siegte Aue standesgemäß und Erik Weinhauer und Ricky Bornschein trugen sich gleich doppelt als Torschützen ein. Elia Pohl erzielte nach Torwart-Patzer von Louis Lord den Ehrentreffer der Hausherren und das Panitzscher Eigengewächs sollte damit der einzige Spieler bleiben, der gegen die Veilchen im Pokalwettbewerb einnetzen konnte.
Veilchen gelingt Revanche
Aller guten Dinge sind drei und so ging es mit dem Einzug ins Achtelfinale zum dritten Mal in Richtung Messestadt. Diesmal war der Gegner eine ganz andere Hausnummer. Es wartete Lokomotive Leipzig und die Mannschaft, die Aue in der vergangenen Saison im Finale bezwingen konnte. An diesem grauen und nassen Novembertag folgte aber die Revanche. Bei den Erzgebirgern kehrte mit Marcel Bär der lange vermisste Top-Torjäger zurück und die Klasse des Stürmers sollte dieses Duell zwischen dem Drittligisten und Regionalligsten entscheiden. In einer ereignisarmen ersten Hälfte gelang beiden Mannschaften nahezu nichts. Kurz vor der Pause schaffte es dann Julian Günther-Schmidt eine Lücke in den Deckungsreihen der Leipziger zu finden. Seine Flanke in den Strafraum erreichte Bär und die köpfte den Ball unhaltbar gegen die Laufrichtung des Keepers. Im Gästeblock feierten die Anhänger die Rückkehr ihres Stürmer und mussten in der zweiten Hälfte mächtig zittern. Der Tabellenführer der Regionalliga warf alles in die Offensive und Aue fehlten an diesem Tag die Mittel zur Entlastung. Im Verbund brachten die Schachter den Vorsprung aber über die Zeit.
Während es im Pokal ganz nach Plan lief und die ersten drei Pflichtaufgaben bewältigt werden konnten, verlor die Mannschaft in der Liga den Anschluss. Nach der Winterpause blieben die Erfolgserlebnisse komplett aus. Als im März das Viertelfinale beim Siebtligisten SSV Fortschritt Lichtenstein anstand, war der FCE in der 3. Liga bereits abgeschlagen im Tabellenkeller. Christoph Dabrowski hatte mittlerweile das Traineramt übernommen. Der ehemalige Bundesligaprofi konnte das Ruder in der Liga aber nicht herumreißen. Mit 10:0 schossen sich die Veilchen in Lichtenstein regelrecht den Frust von der Seele. Jamilu Collins erzielte als Innenverteidiger einen Doppelpack und Joker Ricky Bornschein netzte gleich dreifach ein. Es war der höchste Auswärtssieg der Auer in einem Pflichtspiel, aber wirklich Freude kam an diesem Nachmittag nicht auf. Es sollte für Trainer Dabrowski leider der einzige Sieg für Aue an der Seitenlinie bleiben.
Bär schießt Aue ins Finale
In die Endrunden des Wernesgrüner Sachsenpokals waren Riesa, Chemnitz, Zwickau und Aue eingezogen. Die Lila-Weißen hatten als einziger Drittligist kein Heimrecht und in Lichtenstein wurde dem FCE der Erzrivale in Himmelblau zugelost. Bereits in den vergangenen zwei Spielzeiten waren die Teams im Viertelfinale aufeinandergetroffen Das erste Duell entschied der CFC und schickte Aue mit 3:0 auf die Bretter und im letzten Duell lösten die Erzgebirger das Ticket für die nächste Runde mit einem souveränen Sieg. Nachdem der Abstieg für Aue in der Liga so gut wie feststand, sollte wenigstens im Pokal der Sieg her. Prestige und Ehre bot das Derby obendrein. In der ersten Hälfte schafften es die Hausherren, aufgeputscht von der Stadionatmosphäre, den Auern Paroli zu bieten. Im zweiten Durchgang bekamen die Veilchen das Spiel mehr und mehr in den Griff. Es brauchte dennoch jede Menge spielerische Klasse und das Jokerglück, um das Halbfinale zu entscheiden. In der 69. Minute wechselte Interimstrainer Khvicha Shubitidze Jannic Ehlers ein und der Flügelstürmer sollte bereits mit dem ersten schnellen Antritt die Abwehr der Hausherren aushebeln. Dem Querpass fehlte dann zwar die Präzision, aber Marcel Bär gelang es in Rücklage, im Fünfmeterraum die Kugel über die Linie zu befördern. Die Führung für die Veilchen und in der Nachspielzeit veredelte der Stürmer einen Konter. Mit einem 2:0-Derbysieg zogen die Veilchen ins Finale ein. Es wartete der nächste Erzrivale.
Aue kämpft sich zum fünften Landespokalsieg
Zwickau gegen Aue – ein würdiges Finale für den Sachsenpokal in dieser Saison. Die Veilchen wurden ihrer Favoritenrolle gerecht, und der FSV hatte nach einer starken Rückrunde in der Regionalliga den 3. Platz erobert. Gegen den unliebsamen Nachbarn hatten die Schwäne die Chance, zuhause den ersten Titel im Landespokal zu feiern. Die Hausherren zogen dafür auch alle Register, lieferten den Veilchen einen harten Schlagabtausch und sorgten in der GGZ-Arena auch für einigen Druck von den Rängen. Die Lila-Weißen trotzten all dem und waren bei all dem Lärm doch die Elf, die den Ton angab und als einzige die Musik spielte. In der 30. Minute servierte Luan Simnica einen Ball perfekt in den Laufweg von Jamilu Collins und der Linksverteidiger lupfte das Leder über Keeper Hiemann zum 1:0. Schon in der ersten Hälfte hätten die Erzgebirger das Ergebnis höher schrauben können. So drehte Zwickau nach dem Seitenwechsel wieder auf, das Auer Bollwerk stand jedoch. Martin Männel entschärfte darüber hinaus alles, was durch seinen Strafraum flog. Den Schlusspunkt mit dem 2:0 per Kopf setzte dann Marcel Bär und die beiden Routiniers sollten in Zwickau den Pokal in die Höhe reißen.








