3:2! Veilchen schlagen den BFC Dynamo
Achterbahnfahrt in Aue – zum Abschluss des 3. Spieltags empfingen die Lila-Weißen den BFC Dynamo. In einem abwechslungsreichen Spiel warfen die Erzgebirger alles in die Waagschale, gaben aber zwei Führungen aus der Hand. Der Lucky Punch fiel in der letzten Spielminute. Unser Spielbericht.
Traditionsduell im Lößnitztal – nach über 25 Jahren trafen am Donnerstagabend die Veilchen wieder auf den berüchtigten BFC Dynamo. Der Verein aus Berlin-Hohenschönhausen dominierte unter Erfolgstrainer Jürgen Bogs den Fußball in der DDR und kreuzte dabei über 80-mal die Klingen mit der Wismut. Während die Erzgebirger Anfang der 2000er den Weg in den Profifußball fanden, blieb der Rekordmeister der DDR in der Regional- und Oberliga. Mit dem Abstieg der Veilchen aus der 3. Liga trafen die beiden Vereine jetzt am 3. Spieltag wieder aufeinander. Nach den Ergebnissen der Vortage waren sowohl die Berliner als auch die Auer gefordert, nachzulegen, um mit der Konkurrenz an der Spitze Schritt zu halten. Cheftrainer Khvicha Shubitidze wechselte zweimal in der Startelf und rotierte den wiedergenesenen Linus Queißer und Chadi Ramadan in die Anfangsformation. In der Dämmerung über dem Erzgebirge ging es ins Spiel.
Dynamo kontert Anglebergers Kracher
Die Marschrichtung war für die Lila-Weißen klar: Es sollte endlich wieder ein Heimsieg her. Dementsprechend motiviert legte Aue los und nach fünf Minuten hatten die Fans bereits den ersten Torschrei auf den Lippen. Unter dem Druck des Auer Pressings spielte Diren-Mehmet Günay einen fatalen Querpass in der eigenen Hälfte. Aues Lihsek zog aus 25 Metern sofort ab und zielte auf das verwaiste Tor. BFC-Keeper Paul Hainke und seine Abwehrspieler schnauften durch, als die Kugel scharf links am Kasten vorbeiging. Mit etwas mehr Zielwasser wäre der FCE bereits in Führung gegangen. Die Mannschaft von Khvicha Shubitidze erhöhte die Drehzahl, vor allem über die rechte Seite und die Flügelspieler Ramadan und Burghardt lief Aue an. Die nächste Chance entstand aber auf der linken Seite. Hier setzte sich erneut Nils Lihsek in Szene, ging in den Strafraum und zog ab. Hainke streckte sich und kratzte das Leder aus der Ecke. Die Führung war überfällig und was Lihsek aus kurzer und mittlerer Distanz nicht gelang, vollbrachte Angleberger aus der eigenen Hälfte. Nach einem missglückten Abschlag von Hainke drosch der Auer Sechser die Kugel hinter der Mittellinie auf den Kasten. Die Bogenlampe senkte sich und schlug ein. 1:0 für Erzgebirge. Aue.
Mit einem Traumtor waren die Veilchen in Führung gegangen, den BFC weckte der Nackenschlag aber auf. Die Körner-Elf schüttelte sich und glich umgehend aus. Viel zu leicht kombinierte sich Dynamo durch die Auer Hälfte. Nach starker Ablage in den Strafraum musste Ludwig Bölke den Ball nur noch ins Tor lupfen – 1:1. So schnell konnte es gehen. Sofort suchten die Veilchen die Antwort. Die Hausherren standen hoch, drückten und Patrick Kapp jagte die Diagonalbälle auf die Flügel. Mit Erfolg. Immer wieder liefen rechts Ramadan und links Queißer an. Erst verpasste Marcel Bär die Hereingaben im Zentrum, in der 39. Minute legte Kokovas aber quer und der Auer Kapitän köpfte ein. Wieder jubelte das Erzgebirge, aber die Fahne des Linienrichters war oben – Abseits. Mit dem Unentschieden sollte es dennoch nicht in die Pause gehen. Die Schachter blieben engagiert, bissig und belohnten sich kurz vor dem Ablauf der regulären Spielzeit. Diesmal konnte Marcel Bär im Halbfeld den Ball sichern und schickte wie schon gegen Altglienicke Linus Queißer auf die Reise. Der Flügelstürmer ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen, behauptete sich und knallte die Kugel ins lange Eck. 2:1 – Aue war wieder in Führung.
BFC bestraft Aue erneut
Für die zwei Treffer hatten die Veilchen große Anstrengungen aufgebracht, zwar hatte die Abwehr nur eine Chance zugelassen. Diese hatte der BFC aber genutzt und auch nach der Pause waren die Berliner erneut eiskalt. Torjäger Rufat Dadashov nutzte seine einzige Gelegenheit und spitzelte einen unglücklich abgewehrten Ball aus sieben Metern in den Kasten. 2:2 – das ging wieder viel zu leicht. Der BFC bestrafte Fehler, Aue bot sie aber auch an. Zumal die Veilchen viel Power bereits verbraucht hatten. Bis zur 72. Minute fiel den Auern offensiv zu wenig ein. Dann gelang es Burghardt endlich wieder einmal, durchzubrechen und von der Grundlinie eine Flanke zu schlagen. Marcel Bär lauerte am langen Pfosten, erwischte den Ball mit dem Kopf aber nur in Rücklage.
So ging es in eine spannende Schlussphase, beide Mannschaften hofften auf den Sieg. Den nächsten Warnschuss feuerte Kokovas ab und prüfte Hainke mit einem eher strammen als platzierten Schuss. Auf der Gegenseite hätten die Berliner Aue beinahe ein drittes Mal geschockt. Nach einem schnellen Gegenangriff über links bediente Valdemar Adrifar den eingewechselten Leander Fritzsche. Nur haarscharf rollte der Ball links vorbei. So ging es Schlag auf Schlag. Devin Angleberger hielt aus gleicher Position wie Kokovas drauf und wieder patzte Hainke nicht. Den Veilchen lief die Zeit davon. Unermüdlich waren die Männer in der ersten Hälfte angelaufen und hatten sich nach dem Ausgleich wieder reingehängt. Der Heimfluch wollte die Veilchen scheinbar nicht verlassen, bis zur 90. Minute. Einen fast schon verlorenen Ball vor dem gegnerischen Strafraum gab Simon Skarlatidis nicht auf und setzte nach. Drei Berliner warfen sich dazwischen und wehrten das Leder genau vor die Füße von Tim Maciejewski. Der gerade eingewechselte Mittelfeldspieler fackelte nicht lang und donnerte das Spielgerät in die Maschen. Chancenlos warf sich Hainke hinterher. 3:2! Die Veilchen setzen spät den verdienten Lucky Punch und schlagen den BFC Dynamo. Nach fast acht Monaten gewinnt Aue wieder ein Spiel im Schacht.
Der Spielberichtsbogen
Erzgebirge Aue:
M. Uhlig - M. Burghardt, P. Kapp, S. Kokovas, N. Lihsek (73. F. Heidrich), B. Strietzel (86. P. Wagner) - D. Angleberger, W. Kamm (63. C. Pauling), C. Ramadan (63. S. Skarlatidis) - M. Bär, L. Queißer (73. T. Maciejewski)
BFC Dynamo:
P. Hainke - T. Gunte, V. Miftaraj, L. Oellers - J. Breitfeld (83. J. Rogero), L. Bölke (83. J. Liebelt), D. Günay (59. T. Windsheimer), L. Mattmüller, V. Sadrifar - Califo Baldé (59. W. Reincke), R. Dadashov (68. L. Fritzsche)
Tore:
1:0 D. Angleberger (19.)
1:1 L. Bölke (23.)
2:1 L. Queißer (43.)
2:2 R. Dadashov (54.)
3:2 T. Maciejewski (90.)
Zuschauer:
10.265
Glück Auf!
Bilder: Sven Fritsche, Dennis Hambeck - FCE, Sven Sonntag - PicturePoint
Text: Max Richter






