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3:0 - Derbysieg in Zwickau

Lebenszeichen beim Erzrivalen - der FC Erzgebirge Aue gastierte am 14. Spieltag beim FSV Zwickau. In einem kampfbetonten und spannenden Westsachsenderby verteidigten die Veilchen mit viel Moral und stachen offensiv mehrmals eiskalt zu. Unser Spielbericht. 

Anhaltender Negativtrend – nach vier Pleiten in Folge steckten die Lila-Weißen mit Beginn der Herbstzeit in einer handfesten Formkrise. Ausgerechnet jetzt stand das wichtigste Spiel der Hinrunde an. Im Westsachsenderby ging es gegen den FSV Zwickau. Eine wegweisende Partie für die Mannschaft von Khvicha Shubitidze, denn nicht nur geografisch war es ein Nachbarschaftsduell. In der Tabelle konnte der FSV an den Veilchen vorbeiziehen und die Schachter würden mit einer Niederlage endgültig den Anschluss an die Spitzengruppe der Regionalliga Nordost verlieren. Keine guten Vorzeichen für Aue, zumal die Erzgebirger mit Nils Lihsek und Tim Maciejewski zwei wichtige Stützen nicht mit im Aufgebot hatten. Ersetzt wurden die beiden in der Startelf von Linus Queißer und Ali Loune. Die Viererkette stellte Shubitidze zudem um, Bastian Strietzel rückte ins defensive Mittelfeld und Daniel Fisl in die hinterste Reihe. Bei knisternder Atmosphäre und stürmischen Bedingungen ging es in Zwickau ins Westsachsenderby.

Sofort war Feuer im Derby und Aue brauchte keine fünf Minuten bis zur ersten Torchance. Eine gute Verlagerung auf den rechten Flügel setzte Christoph Pauling in Szene. Der schnelle Offensivspieler sprintete in Richtung Grundlinie und flankte ins Zentrum. Marcel Bär sprang in den hohen Ball, aber der Kapitän setzte den Kopfball neben den Kasten. Eine aussichtsreiche Möglichkeit für die Lila-Weißen, die in der Folge versuchten, darauf aufzubauen. Die Gastgeber hielten aggressiv dagegen und setzten Aue Mitte des ersten Durchgangs erstmals unter Druck. Die Hereingaben und Freistöße verteidigten die Veilchen gut weg. Die Kräfte waren ausgeglichen, die besseren Chancen hatte Aue. In der 26. Minute kombinierten sich die Offensivspieler von Khvicha Shubitidze wieder in den Strafraum. Ali Loune bekam im Strafraum den Ball und zog ab. Hiemann tauchte ab und parierte. Wenige Minuten später hatte der Keeper weniger Glück. 

Die Schwäne gaben keinen Zweikampf auf und hielten körperlich gut dagegen. Immer wieder drückte die Elf von Rico Schmitt Aue in die eigene Hälfte und erspielte sich Standards. Zum Abschluss kamen die Hausherren im Strafraum nicht. Die lila-weiße Viererkette warf sich in jeden Ball und überstand die Druckphasen. Aus der Tiefe setzten die Erzgebirger dann ihre Nadelstiche und in der 33. Spielminute gab es den ersten Freistoß am Strafraum der Hausherren. Stylianos Kokovas zirkelte die Kugel flach in die Mitte. Am ersten Pfosten kam Patrick Kapp gegen drei Zwickauer nicht zum Abschluss. Aber Ali Loune wurde sträflich alleine gelassen. Aus kurzer Distanz hielt der Abräumer drauf und jagte das Spielgerät in die Maschen. 1:0 – die nicht unverdiente Führung für die Auer, die im ersten Durchgang die besseren Chancen hatten. Mit diesem Spielstand ging es in die Pause. 

Konterfußball

Nach dem Seitenwechsel schaltete der FSV einen Gang nach oben. Die Hausherren wollten schnell wieder ins Spiel kommen und warfen nun alles in die Offensive. Mit mehr Ballbesitz und Spielkontrolle wurde es mit jeder Ecke und jeder Flanke der Schwäne enger für Aue. Aber die Stürmer Harant und Mertens kamen im Zentrum nie zum Abschluss. So hatten die Hausherren optische Überlegenheit, die großen Chancen hatte aber Lila-Weiß! Gleich die erste Chance der Erzgebirger klatschte an die Latte. Eine flachgeschlagene Freistoßflanke bugsierte ein Zwickauer beinahe selbst ins Tor. Kurze Zeit später hätte das 2:0 fallen müssen. Nach einem Konter legte Skarlatidis mustergültig auf und Angleberger hätte aus Nahdistanz einschieben können. Hiemann rettete wieder mit einem Reflex und hielt seine Mannschaft im Spiel. 

Es ging hin und her in der GGZ-Arena. Aue verballerte die Chancen zur doppelten Führung, die Schwäne vergaben den Ausgleich. In der 71. Minute brannte es im erzgebirgischen Strafraum lichterloh. Seidel hatte aus spitzem Winkel den Treffer auf dem Fuß und wurde geblockt. Die nächste Hereingabe köpfte Queißer von der eigenen Linie. Der Puls ging jetzt in den roten Bereich auf und neben den Platz. Den kühlen Kopf und das richtige Händchen hatte Shubitidze. Der Übungsleiter wechselte in der Zwickauer Drangphase gleich dreimal und die Joker stachen direkt zu. Die Schwäne leisteten sich im Spielaufbau einen folgenschweren Patzer und diesmal nutzten die Auer diese Fahrlässigkeit aus. Simon Skarlatidis spielte Marcel Bär frei und der Stürmer chippte den Ball uneigennützig auf den eben eingewechselten Finn Heidrich. Das Geburtstagskind beschenkte sich prompt selbst und knallte das Spielgerät mit seiner ersten Aktion gleich in die Maschen. 2:0!

Mitten in der Zwickauer Drangphase hatte Aue zugeschlagen. Das 2:0 war ein Schlag zu viel für die Schwäne. Die Moral der Hausherren war zwar nicht gebrochen, aber die Beine wurden schwerer. Zeitgleich gingen die Veilchen nicht vom Gas. Mit unüberwindbarer Geschlossenheit verteidigte Aue alles weg, was in Richtung Tor flog und keinen Zweikampf gaben die Lila-Weißen auf. Was in den letzten Wochen fehlte, holten die Erzgebirger mit aller Macht in diesen 90 Minuten nach. Der einzige Makel im Auer Spiel blieb die Chancenverwertung. Marcel Bär und Joker Leon Prosche vergaben gute Chancen zum 3:0. Erst in der Nachspielzeit machte Aue den Deckel drauf. Wieder leitete Zwickau das Gegentor mit einem Fehler ein. Marcel Bär schickte Finn Heidrich auf den rechten Flügel und der Torschütze wurde zum Vorlagengeber. Die scharfe Hereingabe musste Aurel Loubongo nur noch über die Linie drücken. Nach vier Pleiten in Folge geben die Veilchen ausgerechnet beim Erzrivalen wieder ein Lebenszeichen. 

Die Stimme zum Spiel

“Unfassbar geil! Ich habe keine Stimme mehr, weil ich so gejubelt habe mit den Fans. Das ist genau das, was wir brauchen. Das müssen wir jetzt mitnehmen und weiter Gas geben. Es fühlt sich unfassbar gut an. Wir wussten von Anfang an, das wird ein hartes Derby. Hier braucht es keine 100%, sondern nur 110%. Ich habe meine 110% heute auf dem Platz gelassen.”

Aggressive Leader Maxim Burghardt

Der Spielberichtsbogen

FSV Zwickau:

L. Hiemann - O. Fobassam, E. Kaizer (86. M. Somnitz), B. Moritz, S. Ziemer - T. Hannemann (68. M. Schröter), D. Haubner (86. L. Möbius), F. Seidel - L. Albert (57. N. Breitenbücher), P. Harant, T. Martens (68. A. Startsev)

FC Erzgebirge Aue:

M. Männel - M. Burghardt, D. Fisl, P. Kapp, S. Kokovas - B. Strietzel (72. A. Loubongo), A. Loune (62. D. Angleberger), S. Skarlatidis (82. L. Prosche) - M. Bär, C. Pauling (72. F. Heidrich), L. Queißer (72. W. Kamm)

 

Tore:

0:1 A. Loune (33.)
0:2 F. Heidrich (73.)
0:3 A. Loubongo (90. +2)

 

Zuschauer:

9.868

 

Glück Auf!

 

 

Bilder: Steffen Colditz, Alexander Gerber, Dennis Hambeck-FCE, Sven Sonntag - PicturePoint

Text: Max Richter