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2:2 - Remis besiegelt Abstieg in die Regionalliga

Bittere Gewissheit – der FC Erzgebirge Aue kam im Ligaspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden erneut nicht zu einem Sieg und muss nach einer rabenschwarzen Saison den bitteren Abstieg hinnehmen. Gegen die Hessen reichten viele Chancen durch viele Fehler wieder nicht für ein Erfolgserlebnis. Unser Spielbericht. 

"Hallo, hier ist Nürnberg, wir melden uns vom Abgrund", sprach Radioreporter Günther Koch einst in sein Mikrofon, nachdem der fränkische Traditionsverein dramatisch im Saisonfinale 1999 den Klassenerhalt verspielte. Der Abgrund für die Veilchen öffnet sich viele Jahre später im Lößnitztal. Im Schacht besiegelt sich das, was sich in der Rückrunde bereits lange abzeichnete. Ohne Sieg nach der Winterpause war es am 35. Spieltag nicht mehr möglich, rechnerisch die Klasse zu halten. Dabei brachten die Auer nicht nur die üblichen Pleiten, Pech und Pannen zu Fall. In vielen Spielen fehlte schlichtweg die Qualität und Einsatzbereitschaft. Nachdem man in der Hinrunde schon kaum in den Tritt kam, strauchelte und fiel man endgültig in der Rückrunde. Während man beinahe makellos durch den Pokalwettbewerb rauschte und sich auch im Halbfinale beim Chemnitzer FC keine Blöße gab und ins Endspiel einzog, steht der sportliche Abstieg aus der 3. Liga nach dem Remis fest. Nur ein Sieg und ein Patzer der Saarbrücker hätten Aue am Leben gehalten. Khvicha Shubitidze setzte gegen die Hessen auf eine runderneuerte Startelf. Louis Lord ersetzte Martin Männel im Tor, Jamilu Collins begann auf der linken defensiven Seite. Im Sturm sollten Maximilian Schmid und Ricky Bornschein Top-Torjäger Marcel Bär unterstützen. Bei bestem Fußballwetter ging es im eins-Erzgebirgsstadion ins Spiel. 

Zobel antwortet auf Flotho

Trotz der ziemlich klaren Ausgangslage konnten die Veilchen den Rückenwind aus dem Derbysieg nicht mit in die Liga nehmen. Statt mit viel Risikobereitschaft und Willen die frühe Führung zu suchen, igelten sich die Erzgebirger in der eigenen Hälfte ein und ließen die Gäste aus Hessen das Spiel übernehmen. Keine sechs Minuten dauerte es und Wehen hätte die Auer Passivität bestraft. Robin Kalem setzte sich auf dem linken Flügel stark durch und brachte das Leder scharf vor das Tor. Rechtsverteidiger Mockenhaupt war eingelaufen und hätte aus drei Metern problemlos treffen können, aber der langjährige Stammspieler der Wiesbadener bekam die Füße nicht geordnet und verzog. Das hätte der Warnschuss für die Veilchen sein müssen, aber in den folgenden Minuten wachte Lila-Weiß nicht auf. Die wenigen Vorstöße vorwiegend über die Seite von Erik Weinhauer brachten die Manndeckung der Gäste nicht ins Schwitzen. Stattdessen gab Wehen weiter den Ton an und nur einem glänzend aufgelegten Tristan Zobel war es zu verdanken, dass Fatih Kaya und Moritz Flotho nicht schon in der Anfangsviertelstunde zum Torerfolg kamen. 

Die Einseitigkeit des Spiels war aber keineswegs auf die technische und taktische Überlegenheit des SVWW zurückzuführen. Viel eher war es ein lauer Sommerkick und mit zunehmender Spielzeit nahm die Schlagzahl sogar weiter ab. Genau in dieser Phase fiel der erste Treffer. Ein einfacher Steckpass von Fatih Kaya reichte aus und Sascha Mockenhaupt war im Strafraum auf der rechten Seite auf und davon. In der Rückwärtsbewegung war die Auer Viererkette geschlagen, der Querpass war für Torjäger Flotho dann kein Problem. Der Stürmer drosch den Ball zentral in die Maschen und brachte Wehen verdient in Führung. Das immergleiche Lied der Rückrunde – Aue kassierte zu leicht und früh im Spiel die Gegentreffer und rannte dann den Rückständen hinterher. Resignation machte sich breit, aber mit dem Nackenschlag wachte die Mannschaft überraschend auf. Keine zwei Minuten später gab Aue die richtige Antwort. Eine lange Freistoßflanke in den Strafraum landete im Lauf von Tristan Zobel. Der Innenverteidiger reagierte hellwach, nahm den Ball gut mit und jagte die Kugel aus spitzem Winkel in die Maschen. 1:1 – der überraschende Ausgleich.

Aue kann Überzahl nicht nutzen

Aber mit dem Treffer gaben sich die Lila-Weißen nicht zufrieden und offensichtlich waren die Sinne nun geschärft. Aue schaltete zwei Gänge hoch und kam zu mehreren Chancen. Erik Weinhauer vergab eine gute Gelegenheit auf der linken Seite, während Flügelpartner Jamilu Collins die Führung auf dem Fuß hatte. Nach einer Ecke hatte Schiedsrichterin Davina Lutz ein strafwürdiges Handspiel am Strafraumrand ausgemacht und sprach den Schachtern vor der Pause einen Freistoß zu. Aus gut 17 Metern war das eine Aufgabe für den Linksfuß. Nur Zentimeter fehlten und der Schuss segelte über die Querlatte. Mit dem Gleichstand ging es in die Pause und im zweiten Durchgang übernahm wieder Wehen das Heft des Handelns. Nur wenige Minuten waren gespielt, da wurde Louis Lord schon gefordert. Ein Distanzschuss aus dem Zentrum senkte sich gefährlich und zum Glück brachte der Schlussmann die Faust an den Ball. Die Feldhoheit nutzte Wehen aber erneut nicht und wie schon im ersten Durchgang kam Aue aus dem Nichts zu Chancen und die hatten es in sich. In der 54. Minute hielten Barylla und Malone einen Ball im Spiel und mit seinem schwächeren linken Fuß zirkelte Barylla den Ball in den Strafraum. Wiesbaden pennte, Weinhauer leitete die Hereingabe per Kopf auf den freien Tristan Zobel. Das Stadion hatte den Torjubel bereits auf den Lippen, aber dem Innenverteidiger missglückte erst die Ballannahme und im Nachsetzen haute Zobel den Ball neben den Kasten. 

Es entwickelte sich ein eigenwilliges Spiel im Lößnitztal. Keine der Mannschaften ging voll ins Risiko und wirkte entschlossen und konsequent genug, um den Sieg zu erzwingen. Wehen vergab fast ein Dutzend Ecken und die Angriffe der Auer scheiterten meist schon in der Entstehung. Ein Fernschuss von Jonah Fabisch blieb lange Zeit die einzige Chance, die man sich ins Notizheft schreiben konnte. Gerade als die Partie wieder zu versanden drohte, kam der nächste Aufreger. Nach einem Kopfballduell vor dem Wiesbadener Strafraum ging Einwechselspieler Moritz Seiffert zu Boden. Den resoluten Körpereinsatz von Verteidiger Niklas May wertete Schiedsrichterin Davina Lutz als Foul und schickte den erst kürzlich verwarnten May mit der Ampelkarte vom Platz. Aue plötzlich in Überzahl, aber selbst die besten Ausgangslagen wussten die Veilchen in dieser Saison nicht zu nutzen. Stattdessen reichte Wehen ein Standard zur erneuten Führung. Tarik Gözüsirin schlug eine Ecke von links scharf vor den Kasten und im Gedränge flog Lord am Spielgerät vorbei. Der Ball zappelte im langen Eck. Es jubelten Gözüsirin und Wehen über die direkt verwandelte Ecke – 1:2. 

Wieder machte sich Ernüchterung im eins-Erzgebirgsstadion breit und wieder sendete Aue ein Lebenszeichen, an das schon keiner mehr geglaubt hatte. Eine missratene Flanke von rechts gab Jamilu Collins nicht auf, erlief den Ball und schickte ihn flach ins Zentrum. Bornschein zog clever zurück und im Rücken des Stürmers hatte Moritz Seiffert freie Bahn. Der Außenverteidiger netzte ein und traf zum Ausgleich – 2:2. Wieder gab Aue die richtige Antwort, aber um Spiele zu gewinnen und den Abstieg zu verhindern, brauchte es mehr und das kam nicht. Auch das Glück hatte das Lößnitztal verlassen. Als Jonah Fabisch den letzten gefährlichen Ball auf das Tor jagte, rettete für Wehen die Querlatte. Auf der anderen Seite verhinderte die Mannschaft zwar mit den letzten Reserven die erneute Führung der Gäste, für das Comeback reichte es aber nicht. Es blieb beim Remis und der bittere Abstieg aus der 3. Liga war für den FC Erzgebirge Aue besiegelt. Ein schwarzer Tag für Fans der Lila-Weißen im Lößnitztal und darüber hinaus.

Der Spielberichtsbogen

FC Erzgebirge Aue:

Lord - Barylla (61. Seiffert), Malone, Zobel, Collins - Schmid (83. Ocansey), Fabisch, Majetschak (76. Uhlmann), Weinhaur - Bär (61. Günther-Schmid), Bornschein

SV Wehen Wiesbaden:

Stritzel - Neubert (65. Lewald), Janitzek, Gillekens - Mockenhaupt, Bogicevic (82. Agrafiotis), Gözüsirin, May - Flotho, Kaya (73. Greilinger), Kalem (65. Schleimer)

 

Tore:

0:1 Flotho (23.)

1:1 Zobel (27.)

1:2 Gözüsirin (78.)

2:2 Seiffert (85.)

 

Zuschauer:

5.600

 

 

Glück Auf!

 

 

Bilder: Dennis Hambeck - FCE, Sven Sonntag - PicturePoint

Text: Max Richter