2:2 - Eine Aufholjagd ohne Happy End
Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel - der FC Erzgebirge Aue erlebte bei der Zweitvertretung des VfB Stuttgart erneut 90 Minuten voller Verzweiflung, Hoffnung und Resignation. Auch nach einem 0:2-Rückstand gaben sich die Veilchen im Ländle nicht auf. Für einen Sieg reichte es aber wieder nicht. Unser Spielbericht.
Stuttgarter Doppelschlag vor der Pause
Interimstrainer Khvicha Shubitidze wechselte nach dem Remis gegen Verl auf einer Position. Im zentralen defensiven Mittelfeld feierte nach langer Verletzungspause sein Startelf-Comeback. Dafür blieb Eric Uhlmann auf der Bank. Im Sturm sollten es wieder Marcel Bär, Erik Weinhauer und Jannic Ehlers richten, während Anthony Barylla wieder den verletzten Pascal Fallmann hinten vertrat. Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen ging es in Großaspach ins Spiel. Die Marschrichtung für die Auer war dabei klar. Nur ein Sieg konnte den sicheren Abstieg verhindern. Volle Offensive wollte man meinen, aber gerade die Abwehr war das größte Sorgenkind. In den vergangenen Wochen hatten immer wieder frühe Gegentore die Siegchancen geschmälert. Gegen die jungen Stuttgarter startete Aue deutlich kompakter und defensiver. In den Anfangsminuten hatten Strafraumszenen echten Seltenheitswert. Die wenigen Gelegenheiten nutzten die Auer nicht konsequent. Moritz Seiffert verpasste nach einem Flankenlauf die rechtzeitige Ablage und Julian Günther-Schmidt wenig später aus guter Position den Abschluss.
Die Schwaben wirkten mehr als unbeeindruckt und taten ihrerseits selbst sehr wenig. In der ersten halben Stunde verteidigte die Elf von Trainer Nico Willig, was in die eigene Hälfte kam und suchte in der Offensive vor allem Noah Darvich auf dem rechten Flügel. Wirklich brenzlig wurde es dabei lange nicht. Ein strammer Flachschuss auf das kurze Eck von Martin Männel blieb lange die einzige nennenswerte Torannäherung. Wirklich Tempo nahm die Partie dabei nicht auf und Aue zeigte keine wirkliche Initiative, daran etwas zu ändern. Gerade als der Spannungsbogen des Spiels seinen Tiefpunkt erreicht hatte, schlug der VfB zu. Noah Darvich zog gleich zwei Gegenspieler auf sich und den eroberten Ball spielten die Veilchen ausgerechnet dem Ex-Auer Nicolas Sessa in die Füße. An der Strafraumkante konnte sich der Offensivspieler das Leder zurechtlegen und jagte es unhaltbar ins Kreuzeck. 1:0 für Stuttgart II und während sich Aue berappelte, zappelte der Ball schon wieder in den Maschen. Erneut hatte Darvich auf der rechten Seite Ehlers und Seiffert schwindelig gespielt. Der freigespielte Christopher Oliver brachte die Kugel scharf vor den Kasten, wo Arevalo lediglich den Fuß hinhalten musste. Die lila-weiße Abwehr kassierte im Tiefschlaf den Doppelpack, der letztlich schon fast die Vorentscheidung war. Hätte Martin Männel nicht noch das dritte Tor verhindert, wäre es wohl schon vor der Pause vorbei gewesen. Die beste Chance auf einen Auer Treffer vergab Julian Guttau. Sein Freistoß segelte knapp über die Latte. Kurz danach ging es in die erlösende Pause.
Auer Schlussoffenisve reicht nur für ein Remis
Es drohte die nächste Klatsche, die zwölfte Niederlage im fünfzehnten Rückrundenspiel. Die Veilchen sendeten immerhin aus der Kabine kommenden wieder ein Lebenszeichen. Julian Guttau wurde nach einem Konter von Marcel Bär bedient und der Schuss des Zehners flog abgefälscht vom Verteidiger an Keeper Hellstern vorbei ins Netz. Nur noch 1:2 aus Sicht der Auer. Das kurze Offensivfeuerwerk der Erzgebirger verpuffte aber schnell und nach wenigen weiteren Spielzügen hatte der VfB das Geschehen wieder im Griff. Statt einer Aufholjagd sahen die Fans nicht mehr als einen lauen Frühsommerkick. Die Stuttgarter wollten nicht, die Auer konnten es nicht. Erst als die Zeit langsam davon lief, mobilisierten die Auer die letzten Reserven. Nach einem missglückten Rückpass hätte Marcel Bär die Stuttgarter fast bestraft. Beim Zusammenprall mit Hellstern rollte der Ball aber am Tor vorbei. Auf der anderen Seite vergab die Zweite die Entscheidung. Stuttgart konterte und Justin Diehl war frei vor Martin Männel durch. Mit einer Glanzparade rettete der alte Kapitän und hielt Aue im Spiel und in der Schlussphase wurde es hitzig.
Shubitidze hatte bereits fünfmal gewechselt, aber vor allem Luan Simnica und Jonah Fabisch mobilisierten das Auer Spiel. Eine Hereingabe nach der anderen jagten die Erzgebirger jetzt in Richtung des Stuttgarter Tors. In der 87. Minute dann die entscheidende Szene. Im Strafraum sprang der Ball an die Hand von Maximilian Herwerth. Schiedsrichter Besong zögerte kurz, pfiff dann aber den fälligen Strafstoß. Bär übernahm die Verantwortung, schnappte sich die Kugel und ließ sich auch von den Spielchen des Keepers nicht beirren. Der Schuss in die untere linke Ecke saß und es stand 2:2. Die Wismut lebte und aus dem Nichts und dem sicheren Abstieg lag der Sieg sogar noch in der Luft. In der Nachspielzeit segelte das Leder quer durch den Strafraum und Marcel Bär versuchte es mit der Brechstange. Es zappelte nur das Fangnetz. Die Veilchenfans litten, bangten, hofften und am Ende stand wieder kein Sieg. Mit einem Remis trennten sich der VfB und der FCE. Der rechnerische Abstieg war das noch nicht. Wer den Veilchen vier Kantersiege und dem 1. FC Saarbrücken einen Totalausfall zutraut, darf weiter hoffen.
Die Stimme zum Spiel
"Die erste Halbzeit war natürlich nicht so, wie wir uns das vorgenommen haben. Wir sind in Rückstand geraten und haben uns das auch selbst zuzuschreiben, weil wir in diesen Situationen nicht gut verteidigt haben. Wir hatten da schon Kontrolle, aber nicht den Mut für den Torabschluss. Das haben wir in der Halbzeit angesprochen. Das wir Eier brauchen. Nach der Pause haben wir es deutlich besser gemacht. Wir haben einige knifflige Szenen überstanden und gut wegverteidigt und nicht unverdient den Ausgleich gemacht. Am Ende des Tages müssen wir noch das Dritte machen. Aber es ist das alte Lied in dieser Saison, leider. Es ist weder Fisch noch Fleisch!"
Keeper Martin Männel
Der Spielberichtsbogen
VfB Stuttgart II:
Hellstern - Oliver, Nothnagel (72. Köhler), Herwerth, Meyer (46. Di Benedetto) - Freßle (61. Ouro-Tagba), Sessa (80. Groiß), Lüers (46. Spalt) - Darvich, Arevalo, Diehl
FC Erzgebirge Aue:
Männel - Seiffert, Malone, Zobel, Barylla - Guttau (78. Clausen), Günther-Schmidt (78. Fabisch), Majetschak (78. Ocansey), Weinhauer (65. Simnica) - Bär, Ehlers (65. Schmid)
Tore:
1:0 Sessa (38.)
2:0 Arevalo (40.)
2:1 Guttau (54.)
2:2 Bär (88./FE)
Zuschauer:
700
Glück Auf!
Bilder: Steffen Colditz, Dennis Hambeck - FCE, Sven Sonntag - PicturePoint
Text: Max Richter






