1:2 - Bittere Pleite gegen Chemie
Viel Aufwand und kein Ertrag - am 11. Spieltag der Regionalliga Nordost empfing der FC Erzgebirge Aue die BSG Chemie Leipzig. Während die Veilchen anstürmten und am Leutzscher Abwehrriegel scheiterten, stachen die Gäste zweimal eiskalt zu. Unser Spielbericht.
Duell alter Freunde im Lößnitztal – nach vielen Jahren Pause hieß es mal wieder: Veilchen gegen Chemiker. 72 Mal trafen die Traditionsvereine des Ostens bisher aufeinander und vor allem in der DDR-Oberliga pflegten die Fans beider Lager enge Kontakte. Geschenke der Freundschaft durfte an diesem Spieltag aber keine Mannschaft machen. Die BSG Chemie steckte nach schwachem Saisonstart noch tief im Tabellenkeller und brauchte Punkte, um ins Mittelfeld zu rücken. Im Erzgebirge musste man mit der Konkurrenz an der Spitze Schritt halten. Personell fehlten Veilchen-Trainer Khvicha Shubitidze weiterhin Jonas Kehl, Chadi Ramadan und Kapitän Marcel Bär. Wieder begann Christoph Pauling im Sturm, flankiert von Willi Kamm und Tim Maciejewski. In der Abwehr kehrte Stylianos Kokovas in die Startelf zurück, genauso wie Simon Skarlatidis im Mittelfeld.
Auer Führung hält nicht lang
Bei spätsommerlichen Temperaturen und wolkenfreiem Himmel ging es im Schacht ins Spiel. Sofort ergriffen die Veilchen die Initiative und verlagerten das Spiel in die Leutzscher Hälfte. Wie erwartet staffelten sich die Gäste kompakt und tief. Lange Zeit zum Abtasten ließen sich beide Teams nicht und die erste Chance verpasste Christoph Pauling bereits nach wenigen Minuten. Eine scharfe und halbhohe Hereingabe von rechts konnte der Stürmer nicht aus der Luft holen und auf das Tor bringen. Die Veilchen blieben aber am Drücker und in der 14. Minute klingelte es. Wie in den letzten Heimspielen schlugen die Erzgebirger mit dem ersten Torabschluss zu und wie in den letzten Heimspielen war der Torschütze Tim Maciejewski. Der Offensivspieler kippte vom linken Flügel ab in die Mitte und zirkelte das Spielgerät vom Rand des Strafraums zielgenau ins lange Eck. 1:0 für Erzgebirge Aue.
Die frühe Führung gab Selbstvertrauen und sofort suchte Aue das 2:0. Der nächste Treffer wäre auch gefallen. Nur zwei Minuten nach dem Führungstreffer landete die Kugel im Strafraum auf dem Fuß von Willi Kamm. Der Held von Erfurt hätte humorlos einschieben müssen: Aus acht Metern jagte der Allrounder die Kugel aber links am Gehäuse vorbei. Aue verpasste es, die Führung auszubauen, und wie in den letzten Heimspielen bestraften das die Gäste. Chemie brauchte nur eine Ecke und Rudolf Sanin egalisierte die Auer Bemühungen mit seinem Kopfball und Tor zum 1:1. Aber der Dämpfer brachte die Lila-Weißen zumindest nicht aus dem Konzept. Die Elf von Khvicha Shubitidze investierte in den folgenden Minuten eine Menge Energie, um wieder in Führung zu gehen. Zielspieler in der Offensive war hier vor allem Tim Maciejewski, den Chemie kaum gestoppt bekam. Der Torschütze zum 1:0 verschaffte sich mit seiner Technik immer wieder Platz und zog aus allen Positionen ab.
Hoffmann bestraft Aue
Aue investierte mehr und lief an, Chemie verteidigte tief und resolut. Die Anzeigentafel zeigte zur Halbzeit nur ein 1:1 an – gnadenloser Ergebnissport im Erzgebirge. Nach dem Seitenwechsel mussten die Lila-Weißen noch einen Gang höher schalten, um den Sieg zu erspielen. Den Warnschuss gab aber Leipzig ab. Elias Kratzer fasste sich aus gut 20 Metern ein Herz und sein strammer Schuss konnte von Männel nur weggefaustet werden. Drei Minuten später war es wieder Kratzer. Diesmal versuchte er es per Flachschuss und scheiterte an Männel. Die Veilchen kamen über Standards wieder ins Spiel. Einen scharf getretenen Freistoß vom Ex-Leipziger Lihsek lenkte Keeper Bergmann um die rechte Torbegrenzung. Der Schlussmann von Chemie rettete fünf Minuten später auch gegen Skarlatidis, der aus 17 Metern Maß genommen hatte. Es wirkte nicht, als ob es beim 1:1 bleiben würde. Beide Teams suchten nach der Pause den direkteren Weg zum Tor.
Mit der 60. Minute brach die kritische Viertelstunde für die Auer an. Zwar waren die Veilchen immer für ein spätes Tor gut, aber in der Mitte der zweiten Hälfte gelang in dieser Saison noch kein Treffer. Daran änderte sich auch gegen Chemie nichts und es kam noch schlimmer. Die Leutzscher gingen aus dem Nichts in Führung. Ein Freistoß und die Auer Passivität reichten aus, damit Julius Hoffmann problemlos nach Ablage einköpfen konnte. 1:2 – die Gäste aus Leipzig hatten das Spiel gedreht. Zwei gute Chancen hatte Chemie genutzt, ein halbes Dutzend hatten die Veilchen verbraten. Ergebnissport.
Aue warf alles nach vorne, Chemie konterte. Vor allem über die rechte Seite von Maxim Burghardt und Einwechselspieler Aurel Loubongo versuchten es die Veilchen. Burghardt jagte in der 80. Minute die Kugel im Strafraum nur knapp über den Kasten. Auf der anderen Seite hatte Bradley Lokilo die Chance zur Entscheidung und nagelte die Pille an die Latte. Eine heiße Schlussphase begann, aber den Veilchen lief die Zeit davon. Immer wieder spielten sich die Lila-Weißen in den Strafraum. Aber jeder Querpass, jede Ablage oder Hereingabe fand nur einen Chemiker, der die Chance klären konnte. Alle Mühe war vergebens. Diesmal gelang den Veilchen kein spätes Tor und kein umjubelter Ausgleich. Im Duell mit der BSG Chemie kassierte die Elf aus dem Erzgebirge die erste Heimniederlage in dieser Saison.
Die Stimme zum Spiel
“Ich glaube dominanter kann man nicht spielen. Wir haben genug Chancen und Möglichkeiten, um Tore zu machen. Wir bekommen dann zwei unnötige Gegentore nach Standards. Es war am Ende sehr schwer, weil Chemie tief stand, aber auch da haben wir immer wieder Wege gefunden. Die Chancen haben wir dann aber nicht genutzt. Daran müssen wir arbeiten!”
Abwehrchef Patrick Kapp
Der Spielberichtsbogen
Erzgebirge Aue:
M. Männel - M. Burghardt, P. Kapp, S. Kokovas (74. A. Loubongo), N. Lihsek (74. F. Heidrich), B. Strietzel - D. Angleberger, W. Kamm (63. D. Fisl), T. Maciejewski, S. Skarlatidis (84. P. Wagner) - C. Pauling (74. L. Queißer)
Chemie Leipzig:
M. Bergmann - T. Hoops, D. Silic, P. Wendt - V. Aliji, L. Jakobi, E. Kratzer, W. Reincke (77. A. Bulland), R. Sanin (31. L. Hollenbach) - P. Kühn (56. J. Hoffmann), M. Sanogo (46. B. Lokilo)
Tore:
1:0 T. Maciejewski (14.)
1:1 R. Sanin (20.)
1:2 J. Hoffmann (68.)
Zuschauer:
11.756
Glück Auf!
Bilder: Steffen Colditz, Alexander Gerber, Sven Fritzsche, Dennis Hambeck - FCE, Sven Sonntag - PicturePoint
Text: Max Richter









