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5:3 - Seltene Glücksgefühle in Ingolstadt

Comebacksieg und Torspektakel – die Veilchen können noch gewinnen. Am 36. Spieltag gastierte der FC Erzgebirge Aue beim FC Ingolstadt und erlebte zwei Hälften der Gegensätze. Nachdem es zur Pause schon nach der nächsten Niederlage aussah, feierten am Ende nur die Schachter. Unser Spielbericht. 

Die Saison ist erledigt, nur nicht vorbei. Sportlich ist für die Veilchen die Entscheidung in der 3. Liga gefallen. Allerdings stehen formal drei Pflichtaufgaben für die Lila-Weißen aus. Die Erste führte den FC Erzgebirge zu den Schanzern. Als abgeschlagener Vorletzter traf die Elf von Interimstrainer Khvicha Shubitidze auf die Mannschaft von Trainerin Sabrina Wittmann. Ein Duell, welches durchaus brisant hätte werden können. Aber im Endspurt ließen die Veilchen fast alle Punkte liegen und Ingolstadt beendete am vergangenen Wochenende auch eine Pleitenserie aus sechs Spielen. So trafen sich beide Vereine zum wohl ersten Sommerkick des Jahres. Bei angenehmen Temperaturen am ersten Maiwochenende ging es im Audi-Sportpark ins Spiel. Shubitidze nahm gleich drei Änderungen vor und beorderte Julian Guttau, Luan Simnica und Moritz Seiffert in die Anfangsformation. 

Es blieb den Veilchen nicht mehr, als sich mit etwas Restanstand aus der 3. Liga zu verabschieden, allein schon für die mitgereisten und unerschütterlichen 300 Anhänger im Gästeblock. Prompt setzte Aue das erste Ausrufezeichen. Erik Weinhauer kam auf Höhe der Mittellinie an den Ball und gab diesen bis zum Sechzehner nicht mehr ab. Der Abschluss des Dribblers war aber sichere Beute für Keeper David Klein, der abtauchte und die erste Chance für Aue vereitelte. Leider setzten die Erzgebirger nicht nach und wenige Minuten später hatten die Schanzer das Spiel im Griff. Allerdings lockerte die Auer Hintermannschaft gleichsam die Zügel und so kam der FCI zu den ersten Chancen. Schon in der fünften Minute hätte Yann Sturm die Hausherren in Front bringen können. Sein strammer Schuss aus kurzer Distanz zwang Louis Lord zur ersten Parade. Aber der Auer Schlussmann musste wenige Augenblicke später hinter sich greifen. Problemlos kombinierte sich Ingolstadt in den Auer Strafraum. Sturm legte zurück auf Frederik Carlsen und dieser setzte die Kugel mit einem präzisen Schuss ins kurze Eck. 1:0 für Ingolstadt – die Veilchen lagen wieder früh zurück.  

Löchrige Auer Abwehr

Ausgerechnet den eigenen Strafraum verteidigte Aue viel zu luftig und die Schanzer bestraften das wenige Minuten später erneut. Die Anfangsviertelstunde war noch nicht abgelaufen, da herrschte im Sechzehner der Veilchen erneut Narrenfreiheit. Wieder bekamen die Lila-Weißen den Ball nicht aus der gefährlichen Zone. Der Ex-Auer Linus Rosenlöcher nutzte das, flankte von der linken Grundlinie an den langen Pfosten, wo der alleingelassene Gustav Christensen lauerte. Der Däne hatte keine Mühe, sein erstes Tor für die Ingolstädter zu erzielen und stellte auf 2:0 aus Sicht der Gastgeber. Die nächste bittere Pille für die leidgeplagten Auer Fans. Aber der zweite Nackenschlag weckte die Erzgebirger endlich auf. In der 18. Minute sendete Aue endlich ein Lebenszeichen. Eine schnelle vertikale Passkombination erreichte im Strafraum Julian Guttau. Der Spielmacher bewies viel Geschick, drehte sich um seinen Bewacher, überraschte Keeper Klein mit einem Drehschuss und verwandelte zum 1:2-Anschlusstreffer aus Auer Sicht. 

Immer wieder gerieten die Veilchen in dieser Spielzeit früh ins Hintertreffen. Keine Mannschaft kassierte in der Anfangsphase so viele Gegentreffer wie Aue und verspielte sich damit so viel. Der Anschlusstreffer bremste den Ingolstädter Sturmlauf allerdings nur wenige Minuten. Wieder verpasste es Lila-Weiß, Druck aufzubauen und nachzulegen. Eine weit geschlagene Flanke von Barylla blieb die einzige Hoffnung auf den Ausgleich. Danach machte Ingolstadt dort weiter, wo es aufgehört hatte. Geradlinig, schnörkellos und zielstrebig jagte die Elf von Sabrina Wittmann auf das Tor zu. Behebig, nachlässig und körperlos verteidigte der FCE. Der umtriebige und ballstarke Yann Sturm hatte den nächsten Treffer auf dem Fuß. Eingesetzt im Strafraum tanzte der Stürmer alle Abwehrspieler aus und meinte es bei seinem anschließenden Abschluss etwas zu genau. Der Pfosten rettete für Aue, der nächste Warnschuss weckte die Schachter aber nicht auf. In der 36. Minute bekam Rosenlöcher erneut die Möglichkeit und zog im Strafraum ab. Lord hielt erst klasse und faustete den Ball zur Seite. Im Nachsetzen erlief aber Marcel Costly den Ball, drehte sich elegant und überraschte Lord mit einem Drehschuss aus spitzem Winkel – das 3:1 für den FCI.

Aue wie ausgewechselt

Viel besser startete der zweite Durchgang nicht. Ingolstadts vierten Treffer verhinderte nur eine Doppelparade von Lord, dessen Vorderleute erneut halbherzig eine flache Hereingabe geklärt und dabei gepatzt hatten. Aber die Hausherren machten es nicht anders. Einen harmlosen Vorstoß der Auer wollte keiner der Ingolstädter Abwehrspieler klären. Julian Guttau bedankte sich und zeigte erneut seine individuelle Klasse. Geradezu humorlos drosch Guttau das Leder unter die Latte, nachdem er den Ball erlaufen hatte. Nur noch 2:3 für die Auer durch den Doppelpack der Nummer 19. Für neutrale Zuschauer war es ein launiger Fußballabend mit schönen Treffern. Für die Fans der Lila-Weißen war es erneut ein Abend zum Staunen – im Guten wie im Schlechten. 

Der erneute Anschlusstreffer zeigte aber Wirkung. Ingolstadt fand nicht mehr wirklich ins Spiel und tatsächlich blieben die Veilchen einmal am Ball. Marcel Bär und Ryan Malone kamen bei zwei anschließenden Chancen dem Ausgleich schon nahe, aber in der 64. Minute zappelte dann erneut das Ingolstädter Tornetz. Einen Einwurf von Ryan Malone verlängerte Tristan Zobel per Kopf und aus zentraler Position knallte Erik Weinhauer die Kugel volley in die Maschen – 3:3. Es konnte so einfach sein und die über 300 Fans im Gästeblock wurden für das ganze Leid im ersten Durchgang entschädigt. Nur fünf Minuten nach dem Ausgleich trieb Anthony Barylla den Ball durch die gegnerische Hälfte, die Schanzer schauten staunend zu und der Rechtsverteidiger legte auf Ryan Malone. Ähnlich kompromisslos wie Guttau und Weinhauer hämmerte der Abräumer das Leder ins lange Eck. 4:3 – Aue hatte ein verloren geglaubtes Spiel mit zweifachem Rückstand gedreht. 

Zum Drehbuch der Auer Saison hätte jetzt ein später Ausgleich des Gegners gehört. Aber der FC Ingolstadt hatte sein Pulver offensichtlich verschossen und die Lila-Weißen verteidigten plötzlich resolut und tadellos. Damit nicht genug, Aue drängte auf die Entscheidung und als wäre man nicht der Vorletzte machte der FCE in der Nachspielzeit den Deckel drauf. Einen Konter vollendete Julian Guttau. Eingesetzt von Julian Günther-Schmidt verwandelte der Spielmacher seinen Doppelpack in einen Dreierpack. 5:3 - ein wilder Abend in Ingolstadt. Frisch abgestiegen und am Boden feiern die Veilchen ihren ersten Sieg in der Rückrunde beim FC Ingolstadt und schenken damit ihren treusten Anhängern immerhin einige schöne Minuten nach dem Abstieg. 

Der Spielberichtsbogen

FC Ingolstadt:

Klein - Lorenz, Antzoulas, Scholz - Christensen (73. Hoppe), Besuschkow (88. Maljojoki), Carlsen (88. Plath), Rosenlöcher - Kaygin (20. Kehrer), Costly, Sturm (73. Drakulic)
 

FC Erzgebirge Aue:

Lord - Barylla, Malone (81. Uhlmann), Zobel, Collins (63. Majetschak) - Weinhauer (76. Schmid), Simnica (63. Günther-Schmidt), Guttau, Fabisch, Seiffert - Bär (76. Bornschein)

 

Tore:

1:0 Carlsen (7.)

2:0 Christensen (14.)

2:1 Guttau (18.)

3:1 Costly (36.)

3:2 Guttau (53.)

3:3 Weinhauer (64.)

3:4 Malone (69.)

3:5 Guttau (89.)
 

Zuschauer:

3.406

 

Glück Auf!

 

 

Bilder: Steffen Colditz, Dennis Hambeck - FCE, Sven Sonntag - PicturePoint

Text: Max Richter