4:2 - Veilchen gewinnen zum Ligaabschluss in Schweinfurt
Abgang mit einem Sieg – der FC Erzgebirge Aue gastierte zum letzten Spieltag beim 1. FC Schweinfurt 05. Wie schon vor zwei Wochen beim Gastspiel in Ingolstadt siegen die Veilchen dank einer treffsicheren und eiskalten Offensive. Vor dem entscheidenden Finale im Sachsenpokal sammeln die Auer wieder Selbstvertrauen. Unser Spielbericht.
Ein letzter Tanz in Liga 3 – nach dem verpassten Klassenerhalt mussten die Veilchen zum finalen Spieltag in der Meisterschaft noch einmal auswärts ran und betraten dabei Neuland. Zum ersten Mal gastierte der FCE zu einem Pflichtspiel in Schweinfurt. Der Tabellenletzte empfing den Vorletzten und trotzdem reisten weit über 1.500 Anhänger der Lila-Weißen an, um ihre Farben zu unterstützen. Vor dem Anpfiff entrollten die Fans ein großes Banner und ehrten die Wismut-Legende Harald Mothes. Der einstige Torjäger der BSG war in der vergangenen Woche mit nur 69 Jahren viel zu früh verstorben. Zugleich liefen die Spieler in Trauerflor auf. Der neuernannte Cheftrainer Khvicha Shubitidze stellte nach dem Remis gegen Duisburg erneut um. In die Startelf rückten Jamilu Collins auf der Position des Linksverteidigers und Luan Simnica spielte im defensiven Mittelfeld. Im Sturm ruhten die Hoffnungen auf Marcel Bär, Julian Guttau und Erik Weinhauer.
Bär trifft vom Punkt
Sportlich ging es im Sachs-Stadion natürlich um nichts mehr. Sowohl Schweinfurt als auch Aue mussten nach einer verkorksten Saison in die Regionalliga absteigen. Für die Veilchen wartete mit dem Landespokalfinale noch ein Endspiel, während die Schnüdel ihr letztes Pflichtspiel absolvierten. Entsprechend behäbig und langatmig startete die Partie. Beide Mannschaften schafften es nicht wirklich, Ordnung und Zug in das eigene Aufbauspiel zu bekommen, und die ersten Torschüsse aus der Distanz waren kaum der Rede wert. Die erste Szene mit Aufregungspotenzial spielte sich dann in der 18. Minute im Schweinfurter Strafraum ab. Nach einem platzierten Steckpass von Anthony Barylla wurde Marcel Bär beim Torschuss durch einen Stoß in den Rücken zu Fall gebracht. Für jeden Stürmer ein Foul, für jeden Abwehrspieler Körpereinsatz – Schiedsrichter Besong tendierte zur Sichtweise der Verteidiger und entschied nicht auf Strafstoß. Es sollte aber nicht die letzte kritische Szene im ersten Durchgang bleiben.
Die Schnüdel waren jedoch die erste Mannschaft, die einen Gang hochschalten konnte. Mit etwas mehr Antrieb zum Tor schaffte es die Elf von Jermain Jones, immer wieder vor den Auer Strafraum zu kommen, und in der 27. Minute bestrafte der FCS die Auer Passivität. Der junge Abwehrspieler Nick Doktorczyk bekam auf dem rechten Flügel zu viel Platz und legte die Kugel auf Sebastian Müller. Der Torjäger freute sich über den vielen Raum, der ihm geboten wurde und setzte aus gut 20 Metern den Ball platziert mit einem Flachschuss ins lange Eck. 1:0 für Schweinfurt – die Hausherren waren in Führung gegangen. Erst der Gegentreffer rüttelte Aue auf. Für den Ausgleich musste aber ein Patzer des Gegners her. Keine zehn Minuten nach dem Treffer erreichte Marcel Bär eine Flanke von links nicht. Bei der Klärungsaktion sprang Verteidiger Ekin Celebi der Ball aber unglücklich im Strafraum an die Hand. Diesmal zögerte Schiedsrichter Besong keine Sekunde und zeigte auf den Punkt. Marcel Bär übernahm als Kapitän die Verantwortung und verlud Torhüter Stahl. Mit dem Flachschuss ins linke Eck stellte der Stürmer auf 1:1.
Schweinfurt bemühte sich um eine direkte Antwort. Diese landete aber entweder in den Händen von Louis Lord oder den Beinen der Auer Abwehr. Dafür zündeten die Veilchen noch einen starken Angriff, den Erik Weinhauer vor der Pause veredeln konnte. Auf dem rechten Flügel war Julian Günther-Schmidt tief in die gegnerische Hälfte gegangen und hatte im Strafraum Marcel Bär gesucht und gefunden. Uneigennützig und mit viel Übersicht hob der Stürmer die Kugel über alle Verteidiger, die auf ihn stürmten und Weinhauer außer Acht ließen. Für den Flügelstürmer war der Abschluss aus kurzer Distanz dann die leichteste Übung. 2:1 – die Lila-Weißen hatten das Spiel im Sachs-Stadion gedreht.
Auer Doppelschlag zwingt Schnüdel in die Knie
Mit der Auer Führung ging es in den zweiten Durchgang, aber den Erzgebirgern gelang es nicht, das Tabellenschlusslicht zu kontrollieren. Die Hausherren wollten sich keinesfalls im letzten Spiel geschlagen geben und taten viel, um wieder zum Ausgleich zu kommen. Wirklich zielgenau waren die Versuche dabei nicht, aber die Schlagzahl verleitet zu Fehlern und in der 62. Minute ließ Tristan Zobel gegen Nico Grimbs das Bein im Strafraum stehen. Der leichte Kontakt am Knie reichte diesmal Schiedsrichter Besong und der Unparteiische zeigte erneut auf den Elfmeterpunkt. Wie schon mit Marcel Bär hatten auch die Schnüdel einen sicheren Schützen und der ehemalige Bundesliga-Profi Johannes Geis schnappte sich das Leder und drosch die Kugel ansatzlos ins linke Eck. Louis Lord blieb chancenlos, obwohl er die Ecke geahnt hatte. 2:2 – das Spiel war wieder ausgeglichen.
Wieder wurden die Veilchen für zu viel Passivität und fehlende offensive Entlastung bestraft. Aber die Erzgebirger fanden wie schon zuletzt in Ingolstadt wieder in die Spur. Nach dem Gegentreffer wechselte Shubitidze dreifach und brachte Stefaniak, Uhlmann und Ehlers und sofort machte sich das bezahlt. In der 67. Minute machte Stefaniak das Spiel mit einem Einwurf schnell und überrumpelte damit die unsortierte Schweinfurter Abwehr. Jamilu Collins hatte auf der Grundlinie die Übersicht, legte den Ball zurück und diesmal war es Marcel Bär, der nur noch einschieben musste. Mit seinem 40. Tor für die Veilchen brachte der Torjäger Aue wieder in Führung. Nur wenige Minuten später machte Jannic Ehlers dann den Deckel drauf. Wieder war ein Einwurf der Ausgangspunkt. Eingeschleudert durch Ryan Malone geriet die Abwehraktion der Schnüdel zu kurz und Ehlers spekulierte an der Strafraumkante richtig. Der Joker jagte das Leder volley unter die Querlatte und traf zum 4:2.
Der Doppelschlag war zu viel für die Schweinfurter. Für eine erneute Aufholjagd fehlte den Hausherren dann die Kraft. Aue hätte indes das Ergebnis deutlicher ausbauen können. Gegen die aufgerückte Abwehr konnte Aue jede Menge Konter setzen. Ricky Bornschein vergab eine der besten Gelegenheiten und kam nach einem Querpass nicht am herausgeeilten Keeper Stahl vorbei. Die letzte Chance hatte Eric Uhlmann. Nach einer langen Eckstoßflanke von Marvin Stefaniak zog der Sechser aus dem Rückraum ab und verfehlte mit seinem Volleyschuss das Gehäuse denkbar knapp. Eine weitere gute Meldung kam noch von der Bank. Maxim Burghardt feierte nach langer und schwieriger Verletzungspause in der zweiten Hälfte sein Comeback und kehrte pünktlich zum Finale auf den Platz zurück. Es blieb beim 4:2 und dem zehnten Punkt unter Khvicha Shubitidze. Die Veilchen beenden die Saison auf dem 18. Tabellenplatz. Zum rettenden Ufer fehlten den Auern am Ende neun Zähler. In der kommenden Woche wartet dann auf die Veilchen noch das Endspiel im Sachsenpokal gegen den FSV Zwickau.
Der Spielberichtsbogen
1. FC Schweinfurt:
Stahl - Trslic (45. Forkel), Geis, Vakouftsis - Doktorczyk, Angleberger (84. Fery), Latteier, Celebi - Grimbs, Müller, Böhnlein (74. Dellinger)
FC Erzgebirge Aue:
Lord - Barylla (77. Burghardt), Malone, Zobel, Collins - Majetschak (64. Uhlmann), Simnica - Weinhauer (64. Stefaniak), Guttau (64. Ehlers), Günther-Schmidt - Bär (77. Bornschein)
Tore:
1:0 Müller (27.)
1:1 Bär (35./HE)
1:2 Weinhauer (45.+2)
2:2 Geis (63./FE)
2:3 Bär (67.).
2:4 Ehlers (70.)
Zuschauer:
4.393
Glück Auf!
Bilder: Steffen Colditz, Dennis Hambeck - FCE, Sven Sonntag - PicturePoint
Text: Max Richter









