2:2 - Die Veilchen kommen zurück
Karneval der Gefühle - im fernen Köln erleben die Veilchen denkwürdige 90 Minuten. Bei der Viktoria geraten die Auer erst in Rückstand, schießen dann noch ein unglückliches Eigentor und kämpfen sich dennoch fast zum Sieg. Unser Spielbericht.
Zum 24. Spieltag ging es für die Veilchen weit in den Westen. Am Freitagabend gastierten die Lila-Weißen beim rechtsrheinischen der Kölner Klubs und traten gegen die Viktoria an. Noch nie konnte der FCE im Sportpark Höhenberg gewinnen und im neuen Jahr warteten die Spieler von Neu-Trainer Christoph Dabrowski auf den ersten Dreier. Ausgerechnet zur fünften Jahreszeit wollten die Veilchen also zu den Partycrashern werden. Dafür setzte Dabrowski auf die Startelf vom vergangenen Wochenende. Während Anthony Barylla und Tristan Zobel das Innenverteidiger-Duo gaben, sollten Eric Uhlmann und Jonah Fabisch im Mittelfeld das Spiel dirigieren und die Sturmspitzen Marcel Bär und Vincent Ocansey mit Bällen füttern. Bei kühlen, aber trockenen Bedingungen ging es auf dem Höhenberg ins Spiel.
Zank bestraft Auer Nachlässigkeit
Aue begann mutig und druckvoll und versteckte sich keine Sekunde nach dem Anpfiff. Bereits nach einer Minute erspielten sich die Veilchen die erste Ecke und in der Folge mehrere Halbchancen. Während Vincent Ocansey die hohen Bälle aus der Luft holen sollte, ließ sich Marcel Bär immer wieder auf die Halbräume fallen und bot sich für die Ablagen der Mittelfeldspieler an. In der sechsten Minute schickte Bär die erste scharfe Hereingabe in den Strafraum, verpasste aber seinen Sturmpartner im Zentrum. Den ersten Torschuss verbuchte Marvin Stefaniak, dessen Versuch von der Strafraumkante dann aber in den Händen von Keeper Arne Schulz landete. Die Anfangsoffensive der Aue sah schon vielversprechend aus, wäre da nicht die Viktoria gewesen. Die Hausherren schüttelten ihre Lethargie nach gut zehn Minuten ab und gaben dann das Tempo vor. In den Fokus rückte dann Stürmer Benjamin Zank. Die Nummer 23 der Kölner verpasste erst aus kurzer Distanz und starker Vorlage die Führung. Die Auer Manndeckung konnte noch klären, während Augenblicke später Martin Männel schon die erste Glanzparade zeigen musste. Wieder war Zank zu frei zum Abschluss gekommen und den Kopfball fischte der Auer Kapitän in höchster Not aus der Luft. Die Lila-Weißen verteidigten viel zu nachlässig, ließen Köln große Räume und beim dritten Mal wurden die Veilchen für ihre Fahrlässigkeit bestraft. Über links kombinierten sich die Kölner in den Strafraum und Zank drückte den Querpass in den Fünfmeterraum mühelos über die Linie. 1:0 für Köln.
Der kurze hoffnungsvolle Beginn reichte nicht, die Veilchen lagen mit einem Tor zurück und im Anschluss an den Gegentreffer versandete das Spiel am Höhenberg zusehends. Die Viktoria schaltete einen Gang zurück und bei Aue klemmten Motor und Getriebe. Zwei weitere kritische Szenen hatte die erste Hälfte noch zu bieten. In der 31. Minute rasselte Vincent Ocansey mit viel Wucht in Verteidiger Boboy und traf diesen am Kopf. Schiedsrichter Martin Wilke beließ es bei einer Gelben Karte. Wenige Minuten später hatte Aue dann weniger Glück mit der Schiedsrichterentscheidung. Nachdem Marvin Stefaniak einen langen Ball im Strafraum erlaufen hatte, räumte Boboy diesmal den Auer ab. Der Referee sah wohl ein regelkonformes Ballspiel des Verteidigers und die Pfeife blieb stumm. Glück und Pech lagen nahe zusammen. Die Veilchen gingen mit einem Rückstand in die Pause.
Bär und Ehlers bringen Aue zurück
Nach der Halbzeitpause bemühten sich die Auer, das Spiel wieder unter Kontrolle zu bringen. Mit Julian Guttau hatte Christoph Dabrowski einen Kreativspieler gebracht und in den Anfangsminuten wirkten die Veilchen deutlich stabiler. Nur zählt der Fußball ausschließlich Tore und in der 56. Minute reichte der Viktoria ein langer Schlag für das zweite Tor. Sponsel schlug den Ball über die rechte Seite lang und Leonhard Münst lieferte sich mit Tristan Zobel ein Laufduell in den Strafraum. Beide gingen zu Fall und Zobel machte unfreiwillig am Boden liegend die Kugel scharf. Der herauseilende Martin Männel war geschlagen und Anthony Barylla kam zu spät. Der Ball sprang vom Pfosten und lag plötzlich in den Maschen. Ohne eigenen Torschuss in der zweiten Hälfte hatte Viktoria das 2:0 erzielt. Es schien fast so, als könnten die Auer in Köln nur noch als Abstiegsgespenst den Karneval feiern. Aber die Erzgebirger bewiesen Moral und fanden die richtige Antwort. Sieben Minuten später spielten sich Stefaniak und Collins endlich fehlerfrei über den linken Flügel. Die Flanke von Collins passte und im Zentrum nickte Marcel Bär ein. 1:2 – die Auer lebten noch.
Schon tot geglaubt, bekamen die Veilchen nun die zweite Luft und Köln hatte Mühen, die Erzgebirger vom eigenen Tor fernzuhalten. Aber auch die Gastgeber warteten nicht auf die Auerangriffe und mauerten nur. In der Schlussphase überspielte die die lockere Auer Restverteidigung und kam zu einer Großchance. Martin Männel musste in größter Not klären und riskierte fast einen Strafstoß. Die Pfeife blieb wie im ersten Durchgang stumm. Die Erzgebirger gaben nicht auf, aus dem Spiel heraus gelang der Dabrowski-Elf aber zu wenig. Standards mussten her und in der 82. Minute bekam Aue eine gute Gelegenheit. 20 Meter vor dem Tor bekamen die Veilchen einen Freistoß zugesprochen. Julian Guttau nagelte die Kugel ansatzlos über die Mauer, aber vom Pfosten sprang der Ball zurück. Dafür schaltete Einwechselspieler Jannic Ehlers am schnellsten, sprang auf den Abpraller und brachte die Kugel im Tor unter. 2:2 – die Auer hatten einen doppelten Rückstand aufgeholt. Das Auer Abstiegsgespenst hatte sich eine Narrenkappe aufgesetzt und beinahe den Kölner Karneval für sich erobert. Jannic Ehlers hatte in der Nachspielzeit unverhofft sogar den Sieg auf dem Fuß. Nach einem Abspielfehler war der Auer schon im Strafraum. Aus spitzem Winkel hatte Schulz jedoch das Glück und parierte. Dennoch erkämpfen sich die Erzgebirger einen Punkt, der vor allem der Moral hilft.
FC Viktoria Köln:
Schulz - Sponsel, Dietz, Boboy (46. Eisenhuth) - Wolf, Engelhardt (70. Tonye), Münst, Handle - Kozuki (70. Ronstadt), Zank, Otto
FC Erzgebirge Aue:
Männel - Fallmann, Barylla, Zobel, Collins (85. Seiffert) - Fabisch, Uhlmann (72. Günther-Schmidt) - Clausen (72. Ehlers), Bär, Stefaniak (90. Weinhauer) - Ocansey (46. Guttau)
Tore:
1:0 Zank (21.)
2:0 Zobel (56./ET)
2:1 Bär (62.)
2:2 Ehlers (82.)
Zuschauer:
2.641
Glück Auf!
Bilder: Sven Sonntag - PicturePoint
Text: Max Richter







