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2:0 - Aue lässt Träume platzen und holt den Pokal

Nervenkitzel, Derbysieg und Pokaltriumph – der FC Erzgebirge Aue biegt beim Erzrivalen in Zwickau eine verkorkste Saison etwas zurecht, gewinnt eine umkämpfte Finalpartie und feiert den Sieg im Landespokal. Nach viel Tränen und Trauer in den vergangenen Wochen ist der Erfolg hoffentlich der Wendepunkt für den Kumpelverein. Unser Spielbericht.

Die härteste Rivalität

Jedes Pokalendspiel hat seine Brisanz. Das Aufeinandertreffen der beiden besten Teams im Wettbewerb – das finale Spiel um die Trophäe. Selbst im stimmungsverwöhnten Fußball sorgen die Momente für eine ganz spezielle Atmosphäre. Wenn sich dann zwei Erzrivalen im Finale gegenüberstehen, steigt das Adrenalin um ein Vielfaches. Zwickau gegen Aue – Sachsenring gegen Wismut – es gibt im sächsischen Fußball keine härtere Rivalität und keine tiefere Abneigung. Legendäre Spiele, große Siege, Skandale und Krawall – das Westsachsenderby sucht seinesgleichen. Dafür sorgt schon allein die Exklusivität: Nur viermal trafen die Veilchen und die Schwäne in den letzten 25 Jahren aufeinander. Im Sachsenpokal setzte sich immer der Schacht durch und 2016 holte Aue zuhause gegen Zwickau den Pokal, als Mario Kvesic durch die Abwehr der Schwäne brach und im Baustellen-Erzgebirgsstadion den goldenen Treffer erzielte. In der Liga begegneten sich die Erzrivalen nur in der Spielzeit 2022/23. Der FSV fügte den Veilchen eine empfindliche Heimniederlage zu, ehe sich die Lila-Weißen in der Rückrunde mit 2:0 in der Robert-Schumann-Stadt revanchierten. Veilchen-Trainer Khvicha Shubitidze spielte für beide Vereine und traf 2010 im Halbfinale noch gegen Aue, ehe Skerdilaid Curri mit einem Doppelpack den FCE auf die Siegerstraße führte. 

Im diesjährigen Finale des Wernesgrüner Sachsenpokals stand Shubitidze an der Linie der Veilchen. Im Tor vertraute er auf Martin Männel, während in der Abwehr Ryan Malone und Tristan Zobel die Innenverteidigung bildeten und die erfahrenen Jamilu Collins und Anthony Barylla die Außenpositionen besetzten. Im Mittelfeld begannen Erik Majetschak und Luan Simnica für die Defensivaufgaben. Für Torgefahr sollten Julian Günther-Schmidt, Erik Weinhauer, Julian Guttau und Marcel Bär sorgen. Bei sommerlichen Temperaturen, strahlendem Sonnenschein und knisternder Atmosphäre ging es in der GGZ-Arena ins Endspiel.

Collins mit kühlem Kopf

Angespornt von der Atmosphäre legte der FSV engagiert los. Zwei erste Ecken konnten sich die Hausherren erkämpfen und machten klar, dass den Schachtern kein leichter Nachmittag bevorstand. Im Aufbauspiel gelang den Lila-Weißen wenig und in den ersten 10 Minuten kam nur Zwickau gefährlich vor das Tor. Dann löste Aue seine Offensivblockade und hatte gleich die Chance zur Führung. Nach einer Ecke von rechts kam Erik Majetschak erst zum Kopfball und jagte den Abpraller gleich wieder auf das Gehäuse. Hiemann im Kasten rettete mit einer Glanztat. Sofort legte Aue nach und setzte sich in der gegnerischen Hälfte fest. Aus einigen Standards entstand wenig Gefahr, aber im Getümmel brachte Bär die Kugel Richtung Tor und Ryan Malone hätte fast den Abstauber über die Linie gedrückt. Zwickaus Kapitän Startsev rettete im letzten Augenblick und verhinderte die frühe Führung für den Schacht.

Zwickau verbuchte mehr Ballbesitz, während Aue die besseren Chancen hatte. Die Veilchen bemühten sich um mehr Kontrolle, aber mit jeder Menge Hartnäckigkeit und Elan gingen die Schwäne immer wieder dazwischen und schalteten dann um. Seit September hatte die Elf von Ex-Auetrainer Rico Schmitt zuhause nicht mehr verloren und das Selbstvertrauen war deutlich zu sehen. Rund um die erste Trinkpause erspielte sich aber keine der beiden Mannschaften eine gefährliche Chance. Die ersten Körner waren schon verbraucht. Die Fanlager auf beiden Seiten blieben am Anschlag, bis in der 31. Minute die Zwickauer Hälfte verstummte. Luan Simnica bewies im Mittelfeld nicht nur viel Übersicht, sondern auch Gefühl. Der Sechser legte eine Flanke genau in den Laufweg von Jamilu Collins. Der Linksverteidiger war aufgerückt und hatte seinen Gegenspieler Senkbeil im Laufduell geschlagen. Frei vor Hiemann und der Kurve der Heimfans zeigte der ehemalige Bundesligaspieler seine Klasse und hob den Ball über den Keeper in die Maschen. 1:0 – die Veilchen führten im Westsachsenderby.

Das Bollwerk hält

Die Welt wäre für die leidgeplagten Aue-Fans vor der Pause fast noch schöner geworden. Einen Konter führte Julian Günther-Schmidt an und verpasste das perfekte Abspiel auf Marcel Bär. Zwickau konnte die brenzlige Situation entschärfen und mit der knappen Führung ging es für Aue in die Pause. Die Verschnaufpause nutzte der FSV. Mit deutlich mehr Wucht kamen die Rot-Weißen aus der Kabine. Die nächsten 20 Minuten taten die Veilchen nichts anderes, als den eigenen Strafraum zuzumauern Mit aller Gewalt preschte Zwickau vor und Aue warf sich mit allem dagegen. Wirklich schöner Fußball war das nicht, vielmehr arbeiteten sich die Teams unter der prallen Sonne aneinander ab. Die Abwehr stand, nur gelang es den Lila-Weißen nicht, den Zwickauer Widerstand mit einem gezielten Konter zu brechen. Die fußballerische Qualität blitzte viel zu selten auf und die erste wirklich gefährliche Chance hatte der eingewechselte Jannic Ehlers. Der Flügelstürmer jagte einen Distanzschuss knapp am Tor vorbei.

Es blieb spannend und Zwickau gab sich keinesfalls auf. Die Abnutzungsschlacht kostete den Hausherren aber alle Körner und Reserven. An Tristan Zobel, Ryan Malone und Erik Majetschak gab es keinen Weg vorbei und alles, was doch durchkam, landete in den Armen von Martin Männel. In den letzten Zügen der Partie suchte Aue dann endlich die Entscheidung, um die Nerven endgültig zu beruhigen. Jannic Ehlers hatte in den Endzügen der Partie bereits die Chance auf das 2:0. Aber die Fans im Gästeblock wurden erst in der 90. Minute erlöst. Wieder war es eine Flanke aus dem Halbfeld. Diesmal legte Ryan Malone perfekt auf und bediente Marcel Bär. Der Stürmer und Kapitän der Auer hatte nach seiner schweren Verletzung im vergangenen Herbst sein erstes Tor im Sachsenpokal erzielt und hatte Aue mit einem Doppelpack in Chemnitz ins Finale geschickt. Mit all seiner Klasse ließ er das Leder über seinen Scheitel fliegen und machte den Ball unhaltbar lang für Keeper Hiemann. 2:0 – die Entscheidung und der Endstand. 

Wovon andere nur träumen, hält der FC Erzgebirge Aue in seiner Hand. Die Veilchen holen zum fünften Mal den sächsischen Landespokal in den Schacht und qualifizieren sich damit gleichzeitig für den DFB-Pokal in der kommenden Saison. Nach einer sportlich enttäuschenden Spielzeit gelingt den Veilchen ausgerechnet beim größten Erzrivalen ein bedeutender Sieg. Mit viel Rückenwind kann es jetzt in die neue Saison gehen. 

Die Stimmen zum Spiel

"Absolut verdienter Sieg. Wir haben sehr wenig bis gar nichts zugelassen. Wir wolten stabil stehen, sicher stehen, einfach spielen. Heute war nicht Zauberfußball gefragt sondern einfacher Fußball und der Plan ist aufgegangen. Wir sind der verdiente Sieger und ich freue mich sehr für alle Fans, für die Mannschaft und für alle, die etwas für uns übrig haben. Wenn sie glücklich sind, bin ich auch glücklich."

Trainer Khvicha Shubitidze

 

"Es lief genauso, wie wir uns das vorgenommen haben. Es war das erwartbar schwere Spiel, was wir verdient 2:0 gewonnen haben. Am Anfang haben wir uns schwergetan, hatten dann aber eine Druckphase und machten dann das Tor. Zweite Halbzeit stehen wir gut, lassen nichts zu und machen dann das zweite Tor. Natürlich können wir den Abstieg nicht mehr gutmachen, das wissen wir alle. Aber zumindest mit den zwei letzten Spielen im Sachsenpokal gegen die Rivalen und mit dem Pokalsieg haben wir es zumindest ein bisschen gerade gerückt."

Abwehrspieler Anthony Barylla

Der Spielberichtsbogen

FSV Zwickau:

Hiemann - Senkbeil (77. Zimmermann), Fobassam, Ziemer, Sengersdorf - Startsev - Eixler (54. Sezer), Prasse (67. Martens), Haubner, Dobruna (86. Breitenbücher) - Albert (67. Möbius)

 

FC Erzgebirge Aue:

Männel - Collins (85. Burghardt), Zobel, Malone, Barylla - Majetschak, Simnica (82. Bornschein)- Günther-Schmidt (70. Ehlers), Weinhauer (70. Stefaniak), Guttau (82. Uhlmann) - Bär

 

Tore:

0:1 Collins (31.)

0:2 Bär (90.+2)

 

Zuschauer:

9.686

 

 

Glück Auf!

 

Bilder: Steffen Colditz, Alexander Gerber, Dennis Hambeck - FCE, Sven Sonntag - PicturePoint

Text: Max Richter