1:2 - Ein Hauch von Wembley in Mannheim
Der Ball auf der Linie - die Saison neigt sich dem Ende und den Veilchen rennt mit jedem Spieltag die Zeit davon. Am 30. Spieltag gastierte der FC Erzgebirge Aue beim SV Waldhof Mannheim. Bei den Buwe lieferten die Erzgebirger lange ein gutes Auswärtsspiel, welches in der Nachspielzeit durch eine Fehlentscheidung kippte. Unser Spielbericht.
Der März neigt sich dem Ende. Am Oberrhein sprießen schon die ersten Bäume und Sträucher und die Veilchen warten weiterhin auf den ersten Sieg im neuen Kalenderjahr. Nach fünf Niederlagen in Serie wird die Luft in der 3. Liga immer dünner und dünner. Im Carl-Benz-Stadion wartete mit dem Waldhof eine heimstarke Truppe. Die Buwe konnten ihre letzten drei Partien zuhause gewinnen und standen sorglos im Tabellenmittelfeld. Gegen die SVW bot Veilchen-Trainer Christoph Dabrowski eine neu formierte Startelf auf. Für den gesperrten Jamilu Collins begann Moritz Seiffert auf der linken defensiven Außenbahn. Marvin Stefaniak und Eric Uhlmann rotierten ebenfalls ins Mittelfeld und ersetzten dort Erik Weinhauer und Mika Clausen. Bei bedecktem Himmel und angenehmen Frühlingstemperaturen ging es vor gut gefüllten Rängen ins Spiel.
Stefaniak belohnt Aue nach langer Anlaufzeit
Beide Teams starten mit tief stehenden Abwehrreihen. Aue brauchte fünf Minuten und eine Ecke für die erste Chance. Eine von rechts geschlagene Flanke von Marvin Stefaniak brachte Ryan Malone aber nicht auf das Tor geköpft. Die Veilchen versteckten sich nicht und wirkten bei den eingespielten Hausherren auch nicht nervös. Mit schnellem und vertikalem Spiel suchten die Mittelfeldspieler Marcel Bär in der Spitze. Wirklich präzise und kontrolliert waren die Vorstöße dabei aber nicht. Umso besser verteidigte die Elf von Christoph Dabrowski. In der ersten Viertelstunde fiel den Buwe wenig bis gar nichts ein. Ryan Malone deckte alleine den wuchtigen Terrence Boyd und Eric Uhlmann rotierte immer wieder zwischen dem defensiven Mittelfeld und der Abwehrkette. Nur das Tor fehlte. Offensiv gelang den Erzgebirgern zu wenig. Nach einer schönen Kombination über links und einer Flanke von Moritz Seiffert jagte Marcel Bär die Kugel über den Querbalken. In der 20. Minute bediente Günther-Schmidt Bär erneut. Der Stürmer umkurvte Keeper Thijmen Nijhuis und versuchte es mit dem Rücken zum Tor mit der Hacke. Der Versuch misslang und nur drei Minuten später hätte Bär dann netzen müssen. Marvin Stefaniak hatte von links genau und die Flanke landete punktgenau am langen Pfosten. Bär köpfte auf die lange Ecke, verfehlte aber wieder den Kasten.
Aue machte ein beinahe lupenreines Auswärtsspiel in der ersten halben Stunde, nur fehlten mal wieder die Tore. Die nächste Möglichkeit vergab Günther-Schmidt. Nach einer misslungenen Kopfballabwehr von Sanoussy Ba war der Zehner an der richtigen Position zur Stelle. Aber der Abschluss landete wieder neben dem Kasten. Den Hausherren fiel auch weiterhin nichts gegen den Auer Abwehrblock ein. Ein verirrter Distanzschuss von Kushtrim Asallari war lange Zeit die einzige nennenswerte Aktion und Terrence Boyd fand gar nicht statt. Die erste Hälfte war schon fast vorbei, da belohnte sich Aue endlich für die Mühen. Einen maloneschen Einwurf von links verteidigte der Waldhof maximal halbherzig. Marvin Stefaniak lauerte an der richtigen Stelle im Rückraum, nahm Maß und knallte die Kugel in die lange Ecke. 1:0 für Erzgebirge Aue – die Veilchen gingen nach einer starken ersten Hälfte mit einer Führung in die Kabine.
Nach dem Seitenwechsel wachte auch Waldhof Mannheim aus dem Winterschlaf auf und die Hausherren schalteten mehrere Gänge hoch. Boyd gab den ersten Warnschuss ab und zielte über den Kasten. Nur wenige Augenblicke später tat es ihm Felix Lohkemper gleich und vergab freistehend, nachdem Zobel gepatzt hatte. Die Erzgebirger spielten mit dem Feuer und verbrannten sich. 50 Minuten waren gespielt, da konnte Eric Uhlmann seinen Gegenspieler Diego Michel auf der Außenbahn nicht stellen. Die Hereingabe in den Rückraum kam punktgenau auf den eben eingewechselten Lovis Bierschenk und der Mittelfeldspieler des Waldhofs jagte die Kugel unter die Latte. 1:1 – die Veilchen gaben in nur fünf Minuten das aus der Hand, was sie sich eine Halbzeit lang aufgebaut hatten. Nach dem Gegentreffer wurden die Lila-Weißen wieder aktiver. Es dauerte aber bis zur 64. Minute, bis die Veilchen wieder torgefährlich wurden. Nach einer Flanke von links köpfte Ehlers das Leder wieder in die gefährliche Zone. Marcel Bär lauerte und netzte ein, aber sofort schnellte die Fahne des Assistenten nach oben und das Schiedsrichtergespann entschied auf Abseits.
Beide Mannschaften spielten nun mit offenem Visier und versuchten, die Führung zu erzielen. Die Waldhöfer hatten dabei die deutlich besseren Gelegenheiten. Terrence Boyd setzte einen Abschluss am rechten Pfosten vorbei und nach einer verlängerten Hereingabe musste Martin Männel in höchster Not parieren. Auf der anderen Seite hatte Luan Simnica die beste Chance für Aue. Aus gut 25 Metern hielt der Sechser der Schachter drauf und Thijmen Nijhuis packte die Fäuste aus. So ging es in die Schlussphase, in der beiden Mannschaften sichtlich die zweite Luft fehlte. Während Aue in der ersten Hälfte Körner gelassen hatte, fehlte den Buwe nach der Drangphase nach der Pause nun die Puste. Eine Kopfballchance von Vincent Ocansey blieb die einzige Chance für die Veilchen. Mannheim kam in der 90. Minute nochmal vor das Tor. Ein langer Ball von Hoffmann fand am anderen Ende wieder den abseitsverdächtig postierten Terrence Boyd. Der Stürmer nahm die Kugel mit und bolzte sie auf den Kasten. In klassischer Wembley-Manier donnerte der Ball an die Latte und von dort auf die Linie. Mannheim ärgerte sich, Aue schnaufte durch, aber der Linienrichter zeigte plötzlich Tor an. Schiedsrichter Timon Schulz sprach Mannheim das 2:1 zu, eine glasklare Fehlentscheidung. Wieder kam für die Veilchen alles zusammen. Während man in der ersten Hälfte einige Großchancen liegen ließ, reichte Mannheim eine kurze Offensive, um schon den Ausgleich zu erzielen. Dass die Erzgebirger dann noch durch eine Fehlentscheidung den letzten Punkt verlieren, macht einen bitteren Nachmittag im negativen Sinne perfekt.
Der Spielberichtsbogen
SV Waldhof Mannheim:
Nijhus - Ba, Klünter, Hoffmann, Abifade - Asallari (46. Bierschenk), Sietan, Michel (90.+3 Thalhammer), Thill (56. Rieckmann) - Lohkemper, Boyd
FC Erzgebirge Aue:
Männel - Fallmann, Malone, Zobel, Seiffert - Uhlmann (90.+3 Bornschein), Simnica - Stefaniak, Günther- Schmidt (79. Guttau), Ehlers - Bär (85. Ocansey)
Tore:
0:1 Stefaniak (44.)
1:1 Bierschenk (50.)
2:1 Boyd (90.)
Zuschauer:
9.600
Glück Auf!
Bilder: Steffen Colditz, Dennis Hambeck - FCE, Sven Sonntag - PicturePoint
Text: Max Richter







